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Zukunftsstrategien für das Handwerk Die wissenschaftliche Tagung „Forum der Deutschen Mittelstandsforschung“ am 30. Und 31. Oktober 2008 in Frankfurt stand unter dem Motto: Der Mittelstand in der wissensbasierten Gesellschaft – Prozesse, Produkte, Märkte. Das Ludwig-Fröhler-Institut für Handwerkswissenschaften beteiligte sich am Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit einem Referat zu Zukunftsstrategien für das Handwerk. Vorgestellt wurden in dem Beitrag die wesentlichen inhaltlichen und methodischen Erkenntnisse aus einem aktuellen Forschungsprojekt des Instituts. Ausgangspunkt eines jeden Planungsprozesses ist die Analyse der unternehmerischen Ausgangssituation. Einerseits gilt es unternehmensinterne Stärken und vor allem Schwächen zu erkennen und andererseits müssen die Chancen und Risiken im Unternehmensumfeld identifiziert werden. Zu beiden Punkten konnte im Rahmen des Forschungsprojektes auf eine Vielzahl wissenschaftlicher Erkenntnisse aus vorausgegangenen eigenen Studien und Arbeiten anderer Institutionen zurückgegriffen werden. Empirisch bestätigte Schwächen vieler Handwerksbetriebe liegen so insbesondere in der Dominanz der Kreditfinanzierung, der eingeschränkten kaufmännischen Qualifikation der Unternehmensleitung, der häufig fehlenden langfristigen Unternehmensplanung sowie im teilweise mangelhaften Innovationsmanagement. All diese Schwächen bereiteten in der Vergangenheit den Unternehmen nur geringe Probleme, da konstante Rahmenbedingungen auch eine Unternehmensführung auf Basis von Intuition und Erfahrungswissen zuließen. Aber eben diese Rahmenbedingungen haben sich zuletzt sehr stark geändert und werden sich noch weiter ändern. Sie stellen die Handwerksbetriebe in zunehmendem Maße vor große Herausforderungen. Die Öffnung der europäischen Märkte beispielsweise erhöht den Wettbewerb auf den heimischen Märkten, bietet aber auch große Chancen im Export. Auf die zunehmende Zahl an Migranten ist darüber hinaus ebenso zu reagieren wie auf die Liberalisierung der Märkte. Auch die demographische Entwicklung wird das Handwerk zukünftig vor große Probleme stellen. So werden ältere Menschen eine immer wichtigere Zielgruppe werden, auf deren spezielle Bedürfnisse es sich einzustellen gilt. Gleichzeitig wird die Zahl der Erwerbspersonen in den nächsten Jahren abnehmen, mit der Folge, dass Fachkräfte auch und gerade im Handwerk ein knappes Gut werden dürften. Darüber hinaus haben sich die Wertvorstellungen der Kunden nachhaltig geändert. Service und Dienstleistung haben damit ebenso an Bedeutung gewonnen wie der Wunsch bei Handwerksleistungen nur einen Ansprechpartner zu haben, sprich alles aus einer Hand zu erhalten. Eine große Herausforderung für das Handwerk stellt auch der technische Fortschritt dar. Hier sind die Lebenszyklen von handwerklichen Produkten und Dienstleistungen in den letzten Jahren immer kürzer geworden und auch die Informations- und Kommunikationstechnologien bieten laufend neue Möglichkeiten, das Wirtschaften der Betriebe zu unterstützen und zu erleichtern. Das Wissen um diese Herausforderungen stellte den Ausgangspunkt von vier thematischen Workshops dar. Unterstützt von Experten der Handwerkskammern, Mitarbeitern des bayerischen Wirtschaftsministeriums sowie wissenschaftlichen Mitarbeitern verschiedener DHI-Institute, suchten Handwerksunternehmer nach geeigneten Reaktionsmöglichkeiten. Herausgearbeitet wurde eine Vielzahl unterschiedlichster Maßnahmen, die durch das LFI in der Folge zu homogenen Paketen, den sog. Zukunftsstrategien, zusammengefasst wurden. Diese Strategien richten sich an drei verschiedene Handlungsträger, nämlich die Betriebe selbst, die Organisationen des Handwerks sowie die Politik. Berücksichtigt man noch, dass die Zukunftsstrategien Maßnahmen in sechs verschiedenen Bereichen beinhalten, so erhält man neben den beiden Dimensionen „Zukunftsstrategien“ und „Handlungsträger“ eine dritte, die „Handlungsfelder“. Graphisch ergibt sich somit als Systematisierung der Ergebnisse ein Würfel:
Als erste Strategie wäre die Verbesserung von Bildung und Qualifikation zu nennen. Damit bezeichnet werden insbesondere Maßnahmen, die Herausforderungen aufgrund des technischen Fortschritts und der veränderten Kundenbedürfnisse betreffen. Die Verbesserung der Unternehmenskultur hilft, Arbeitskräfte an das Unternehmen zu binden und neue Fachkräfte anzuwerben. Neben Motivationseffekten kann hiermit vor allen Dingen erreicht werden, die Folgen des drohenden Fachkräftemangels gering zu halten. Dagegen helfen Kooperationen und Netzwerke in erster Linie, dem Kundenwunsch nach einem einheitlichen Ansprechpartner gerecht zu werden. Zudem wird auch die Bewältigung größerer Auftragsvolumina, z. B. im Rahmen von PPP-Projekten, deutlich erleichtert. Die Zielgruppenorientierung gewinnt gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels an Bedeutung. Ferner erfordert die wachsende Zahl an Personen mit Migrationshintergrund eine spezielle Ausrichtung der Unternehmensstrategie auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe. Die Strategie der Nachhaltigkeit setzt sich aus drei Komponenten zusammen, der sozialen, der wirtschaftlichen und der ökologischen Nachhaltigkeit. Letztere ist gerade vor dem Hintergrund veränderter Wertvorstellungen der Kunden von besonderer Bedeutung. Die letzte der sechs Strategien schließlich bezieht sich auf die Verbesserung der strategischen Führung, insbesondere im Hinblick auf langfristige Planung. Der vollständige Vortrag steht auf der Homepage des Ludwig-Fröhler-Institutes unter: http://www.lfi-muenchen.de/ihw/Zukunftsstrategien für das Handwerk_Glasl.ppt Ebenso zum Download zur Verfügung wie der vollständige Untersuchungsbericht des zu Grunde liegenden Projektes unter: http://www.lfi-muenchen.de/ihw/Zukunftsforum.pdf
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