LUDWIG
FRÖHLER
INSTITUT                                    Wirtschaft & Recht für das Handwerk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PPP-Projekte als Herausforderung für das Handwerk

Immer populärer werden in den letzten Jahren PPP-Projekte, also Partnerschaften zwischen öffentlicher Hand und privaten Unternehmen. Dabei zeichnet im Rahmen eines Betreibermodells der (private) Auftragnehmer nicht nur für die (Vor-) Finanzierung und den Bau eines Objektes verantwortlich, sondern auch für dessen fortlaufenden Betrieb bzw. Unterhalt. Unter PPP sollte also weder „Outsourcing“ noch Privatisierung oder „Contracting“ verstanden werden.

Diese Form eines Geschäftsmodelles bietet derzeit gerade für Handwerksbetriebe aus der Bau- und Ausbaubranche große Auftragschancen. Die Frage stellt sich allerdings, inwieweit diese Auftragsart für die beteiligten Betriebe wirklich dauerhaft von Vorteil ist. Dies umso mehr, da der Planungshorizont und damit die Vertragslaufzeit meist bei 25 – 30 Jahren liegt.

Als entscheidender Problempunkt stellt sich in vielen Fällen die anfängliche Finanzierung solcher Projekte dar. Denn ein PPP-Projekt ohne den so genannten Finanzierungseffekt ist derzeit kaum vorstellbar. Dabei ist es vor allem für die mittelständischen Unternehmen der Baubranche eine große Herausforderung, ein solches Projekt als Generalunternehmer zu schultern. Dies heißt nicht nur, für die eigentliche Finanzierung einzustehen, sondern auch den finanziellen Aufwand einer (mehrmaligen und womöglich erfolglosen) Teilnahme an Ausschreibungen betreiben zu können. Im Allgemeinen muss man bei diesem letzteren Punkt mit sechsstelligen Summen rechnen.

Ferner dürfte es für die kleineren Partner schwierig werden, die finanziellen Folgen wegzustecken, falls ein solches Projekt scheitern sollte. In Hamburg wird zurzeit – unter anderem aus diesem Grund – überlegt, die Finanzierung in die Hand des öffentlichen Auftraggebers zu legen. Diese Idee wird meist mit dem Begriff „staple finance“ überschrieben, ist aber bislang noch nicht realisiert worden.

Sollte sich die Idee einer „staple finance“ – also einer Vorfinanzierung durch den Staat – nicht nur langfristig bewähren, sondern sogar durchsetzen, so hieße das, dass die Idee des PPP auf einen Kern reduziert würde: Die Pflege und den Betrieb eines erstellten Gebäudes über eine vieljährige Laufzeit. Gleichzeitig würden PPP-Projekte deutlich mittelstandsfreundlicher und damit klar attraktiver für das Handwerk. Außerdem würde dies bedeuten, dass der direkte Nutzen solcher Projekte für die Wirtschaft der Region zunähme.

Auf diese Art könnte das Geschäftsmodell PPP durchaus zu einer interessanten Alternative für Handwerksbetriebe der Bau- und Ausbaubranche werden – vielleicht ähnlich dem Franchising-Modell, das ja bereits in vielen Gewerken fühlbar vertreten ist und sich in Zukunft wohl ebenfalls weiter ausbreiten wird.

Vor diesem aktuellen Hintergrund fand vom 7. bis 9. Oktober 2008 in Trier ein Seminar des Ludwig-Fröhler-Institutes statt. Thema war neben PPP-Projekten eben auch die Eignung des „Franchising“ für das Handwerk. Dabei standen neben den beschriebenen Gefahren, die insbesondere die Finanzierungsfrage aufwirft, vor allem die großen Vorteile dieser Geschäftsmodelle im Mittelpunkt.

 

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