LUDWIG
FRÖHLER
INSTITUT                                    Wirtschaft & Recht für das Handwerk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Digitale Kluft im Handwerk wächst – Ergebnisse einer empirischen Analyse

Die Neuen Medien haben dazu beigetragen, dass der schnelle und einfache Zugang zu Wissen zu einem entscheidenden Faktor sowohl für die Wirtschaft als auch den Einzelnen geworden ist. Informationen sind ubiquitär, das heißt, sie sind nahezu überall und zu jeder Zeit abrufbar. Die weite Verbreitung und der Gebrauch der neuen IKT beeinflussen und verändern alle Bereiche der Volkswirtschaft, woraus sich neue Formen der Geschäftsanbahnung und ‑abwicklung gebildet haben. Diese Veränderungen sind vor allem in großen Unternehmen in den letzten Jahren weit vorangeschritten. Auf der anderen Seite zeigen verschiedene Studien, dass die Adoptionsrate der Internetnutzung bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sogar unterhalb derer von privaten Haushalten liegt.

Der Einsatz neuester IT stellt viele Handwerksbetriebe vor große Herausforderungen. Da eine Vielzahl von Unternehmen mit diesen nicht oder nur ungenügend zu Recht kommt, breiten sich die neuen Medien im Handwerk nur sehr langsam aus. Dadurch entstehen den betroffenen Betrieben oftmals Nachteile im innerdeutschen wie auch im europäischen Wettbewerb. Der Verkehr mit den Kunden, mit den Behörden, aber auch die Akquise von Aufträgen werden oftmals deutlich beeinträchtigt.

Die Handwerkskammern und Innungen versuchen schon länger, solchen Nachteilen abzuhelfen, bzw. einer mangelnden Aufgeschlossenheit vieler Handwerker gegenüber der IT entgegenzuwirken. Nur so können in unserer heutigen Zeit die Betriebe mitsamt zugehörigen Gewerken im Wettbewerb nachhaltig gestärkt wer­den. In diesem Kontext ist auch die vom LFI durchgeführte Studie zu sehen. Ziel der Felduntersuchung ist die Bereitstellung einer Informations- und Datengrundlage für eine effiziente Ableitung von Beratungs­an­geboten der Handwerksorganisationen.

Um Rückschlüsse auf das Nutzungsverhalten im gesamten Bundesgebiet zu ziehen, wurden im Rahmen der Befragung 11500 Handwerksbetriebe aus den fünf Handwerkskammerbezirken Hamburg, Dortmund, Dresden, München und Kassel angeschrieben. Neben dieser postalischen Beantwortung wurde den Be­trie­ben auch die Möglichkeit angeboten, den Fragebogen auf einer Website online auszufüllen. Vom 03. August 2007 bis 18. September 2007 antworteten insgesamt 516 Betriebe, 20 davon füllten den Fra­ge­bogen online aus.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass lediglich 57% der befragten Handwerksbetriebe eine Website besitzen. Deren Potenziale zur Kundenansprache und Kun­denbindung werden demnach noch von vielen Betrieben nicht optimal ausgeschöpft. Der Aufbau einer eige­nen Homepage ermöglicht kostengünstig, Informationen über das Unternehmen und seine Dienst­leis­tun­gen ganz aktuell einem großen Publikum zugänglich zu machen, ein innovatives Image aufzubauen und eine langfristige Kundenbindung zu erreichen.

Nicht nur das Internet kann die einzelnen Aktivitäten im Wert­schöp­fungs­pro­zess unterstützen. Auch Software zur Unterstützung unternehmensinterner Prozesse kann die Wertschöpfung von Handwerksbetrieben optimieren. Nur durchschnittlich rund 12% der Be­frag­ten Betriebe unterstützen die primären Aktivitäten mithilfe der neuen Medien.

So sind bei über 40% der Handwerksbetriebe diese Softwareangebote nicht einmal bekannt. In größeren Unternehmen werden Produktdatenbanken im Internet dafür genutzt, um schnell an umfassende und voll­stän­dige Informationen über das Angebot an Einsatzgütern zu gelangen. Doch nicht nur bei der Infor­mations­beschaffung und Planung, sondern auch bei der sich daran anschließenden Bestellabwicklung spielen die neuen Medien eine immer bedeutendere Rolle. So werden häufig die Einsatzteile (und auch Güter aus dem Verwaltungsbereich wie bspw. Büromaterial) direkt über das Internet bestellt, wodurch weniger Formulare ausgefüllt und Telefonate geführt werden müssen und somit Zeitvorteile realisiert wer­den können.

Abb. 3: IT-Einsatz in der Produktion

 

Im Rahmen der Studie wurde festgestellt, dass bei Handwerksbetrieben viele Potenziale zur Nutzung der neuen Medien bestehen, die noch nicht optimal ausgeschöpft werden. Neben der Darstellung der Nutzungsdefizite wurden auch die Bestimmungsgrößen der Nutzung analysiert, so dass Handwerksbetriebe noch besser und effektiver von den Handwerksorganisationen unterstützt werden können. Diese Determinanten der Adoption von IKT sollten herangezogen werden, wenn Beratungsstrategien zur Förderung der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien entwickelt werden.

Diese Untersuchung wurde im Rahmen eines Projektes am Ludwig-Fröhler-Institut in München angefertigt und als Dissertation von der Fakultät für Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München angenommen. Sie kann unter folgendem Link herunter geladen werden.

www-lfi-muenchen.de/publikationen/Determinanten der Adoption von Informations- und Kommunikationstechnologien im Handwerk Dissertation Bernhard Zoch.pdf

Ansprechpartner:

Bernhard Zoch

Ludwig-Fröhler-Institut

Max-Joseph-Str. 4

80333 München

zoch@lfi-muenchen.de

089-51556084