Die
Digitale Kluft im Handwerk wächst – Ergebnisse einer empirischen Analyse
Die Neuen Medien haben dazu
beigetragen, dass der schnelle und einfache Zugang zu Wissen zu einem
entscheidenden Faktor sowohl für die Wirtschaft als auch den Einzelnen
geworden ist. Informationen sind ubiquitär, das heißt, sie sind nahezu
überall und zu jeder Zeit abrufbar. Die weite Verbreitung und der Gebrauch
der neuen IKT beeinflussen und verändern alle Bereiche der Volkswirtschaft,
woraus sich neue Formen der Geschäftsanbahnung und ‑abwicklung gebildet
haben. Diese Veränderungen sind vor allem in großen Unternehmen in den
letzten Jahren weit vorangeschritten. Auf der anderen Seite zeigen
verschiedene Studien, dass die Adoptionsrate der Internetnutzung bei kleinen
und mittelständischen Unternehmen sogar unterhalb derer von privaten
Haushalten liegt.
Der Einsatz neuester IT stellt
viele Handwerksbetriebe vor große Herausforderungen. Da eine Vielzahl von
Unternehmen mit diesen nicht oder nur ungenügend zu Recht kommt, breiten
sich die neuen Medien im Handwerk nur sehr langsam aus. Dadurch entstehen
den betroffenen Betrieben oftmals Nachteile im innerdeutschen wie auch im
europäischen Wettbewerb. Der Verkehr mit den Kunden, mit den Behörden, aber
auch die Akquise von Aufträgen werden oftmals deutlich beeinträchtigt.
Die Handwerkskammern und Innungen
versuchen schon länger, solchen Nachteilen abzuhelfen, bzw. einer mangelnden
Aufgeschlossenheit vieler Handwerker gegenüber der IT entgegenzuwirken. Nur
so können in unserer heutigen Zeit die Betriebe mitsamt zugehörigen Gewerken
im Wettbewerb nachhaltig gestärkt werden. In diesem Kontext ist auch die
vom LFI durchgeführte Studie zu sehen. Ziel der Felduntersuchung ist die
Bereitstellung einer Informations- und Datengrundlage für eine effiziente
Ableitung von Beratungsangeboten der Handwerksorganisationen.
Um Rückschlüsse auf das
Nutzungsverhalten im gesamten Bundesgebiet zu ziehen, wurden im Rahmen der
Befragung 11500 Handwerksbetriebe aus den fünf Handwerkskammerbezirken
Hamburg, Dortmund, Dresden, München und Kassel angeschrieben. Neben dieser
postalischen Beantwortung wurde den Betrieben auch die Möglichkeit
angeboten, den Fragebogen auf einer Website online auszufüllen. Vom 03.
August 2007 bis 18. September 2007 antworteten insgesamt 516 Betriebe, 20
davon füllten den Fragebogen online aus.
Die Ergebnisse der Untersuchung
zeigen, dass lediglich 57% der befragten Handwerksbetriebe eine Website
besitzen. Deren Potenziale zur Kundenansprache und Kundenbindung werden
demnach noch von vielen Betrieben nicht optimal ausgeschöpft. Der Aufbau
einer eigenen Homepage ermöglicht kostengünstig, Informationen über das
Unternehmen und seine Dienstleistungen ganz aktuell einem großen Publikum
zugänglich zu machen, ein innovatives Image aufzubauen und eine langfristige
Kundenbindung zu erreichen.
Nicht nur das Internet kann die
einzelnen Aktivitäten im Wertschöpfungsprozess unterstützen. Auch
Software zur Unterstützung unternehmensinterner Prozesse kann die
Wertschöpfung von Handwerksbetrieben optimieren. Nur durchschnittlich rund
12% der Befragten Betriebe unterstützen die primären Aktivitäten mithilfe
der neuen Medien.
So sind bei über 40% der
Handwerksbetriebe diese Softwareangebote nicht einmal bekannt. In größeren
Unternehmen werden Produktdatenbanken im Internet dafür genutzt, um schnell
an umfassende und vollständige Informationen über das Angebot an
Einsatzgütern zu gelangen. Doch nicht nur bei der Informationsbeschaffung
und Planung, sondern auch bei der sich daran anschließenden
Bestellabwicklung spielen die neuen Medien eine immer bedeutendere Rolle. So
werden häufig die Einsatzteile (und auch Güter aus dem Verwaltungsbereich
wie bspw. Büromaterial) direkt über das Internet bestellt, wodurch weniger
Formulare ausgefüllt und Telefonate geführt werden müssen und somit
Zeitvorteile realisiert werden können.

Abb. 3: IT-Einsatz in
der Produktion
Im Rahmen der Studie wurde
festgestellt, dass bei Handwerksbetrieben viele Potenziale zur Nutzung der
neuen Medien bestehen, die noch nicht optimal ausgeschöpft werden. Neben der
Darstellung der Nutzungsdefizite wurden auch die Bestimmungsgrößen der
Nutzung analysiert, so dass Handwerksbetriebe noch besser und effektiver von
den Handwerksorganisationen unterstützt werden können. Diese Determinanten
der Adoption von IKT sollten herangezogen werden, wenn Beratungsstrategien
zur Förderung der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien
entwickelt werden.
Diese Untersuchung wurde im
Rahmen eines Projektes am Ludwig-Fröhler-Institut in München angefertigt und
als Dissertation von der Fakultät für Betriebswirtschaft an der
Ludwig-Maximilians-Universität in München angenommen. Sie kann unter
folgendem Link herunter geladen werden.
www-lfi-muenchen.de/publikationen/Determinanten der Adoption von
Informations- und Kommunikationstechnologien im Handwerk Dissertation
Bernhard Zoch.pdf
Ansprechpartner:
Bernhard
Zoch
Ludwig-Fröhler-Institut
Max-Joseph-Str. 4
80333
München
zoch@lfi-muenchen.de
089-51556084