Erfolgsstrategien für
Handwerksinnungen
Das
Ludwig-Fröhler-Institut (LFI) hat im Auftrag der Handwerkskammer Halle
Handwerksinnungen und –betriebe aus den Handwerkskammerbezirken Halle und
Erfurt befragt, mit dem Ziel Erfolgsfaktoren dieser freiwilligen Teile der
Handwerksorganisation zu identifizieren.
Die Untersuchung hat
gezeigt, dass viele Innungen mit großen Problemen zu kämpfen haben. Der
Mitgliederrückgang der letzten Jahre führte zumindest real in den meisten
Innungen zu schrumpfenden Budgets. Die knappen finanziellen Mittel machten
in der Folge teilweise Einschnitte beim Leistungsangebot notwendig, die zur
Unzufriedenheit der Mitglieder führten und wiederum Austritte verursacht
haben. Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen und eine
Innungsmitgliedschaft für Betriebe so attraktiv wie möglich zu machen.
Wie die Datenanalyse belegt, ist das
Leistungsangebot ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor. Sein Umfang ist bei
kleinen Innungen tendenziell geringer, denn mit der Mitgliederzahl
steigen die Beitragseinnahmen und damit das finanzielle Budget für die
Innungsarbeit. Für kleinere Innungen könnte deshalb eine Erfolg
versprechende Strategie in der Kooperation oder im Zusammenschluss mit
anderen Innungen desselben Gewerks bestehen. Ein Ausgleich größenbedingter
Nachteile gelingt zumindest teilweise auch durch eine Übertragung der
Geschäftsführungsaufgaben auf die Kreishandwerkerschaft.
Die Bildung großer schlagkräftiger Einheiten
bringt jedoch auch einen Nachteil mit sich: Der enge, persönliche Kontakt
zwischen den Mitgliedern geht verloren. Darunter leidet offenbar der
informelle Informations- und Erfahrungsaustausch, und auch die emotionale
Bindung an die Innung wird möglicherweise schwächer. Deshalb sollte der
flächenmäßige Einzugsbereich einer Innung nicht zu groß werden.
Die Erweiterung des Leistungsangebots
sollte in den strategischen Überlegungen einer Innung eine wichtige Rolle
spielen. Dabei kommt es jedoch weniger auf die Quantität, als auf den
individuellen Zuschnitt der Leistungen an. Differenzierte, speziell an die
Bedürfnisse einzelner Mitglieder beziehungsweise Mitgliedergruppen
angepasste Angebote werden heute durch die Handwerksbetriebe gewünscht. Vor
diesem Hintergrund gilt es nicht nur neue Leistungsangebote zu entwickeln,
sondern auch die derzeitigen Leistungen regelmäßig auf den Prüfstand zu
stellen und zu verbessern.
Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt für die
Verbesserung der Innungsarbeit besteht in der Entwicklung einer
Kommunikationsstrategie, denn viele Leistungsangebote sind den
Handwerksbetrieben offensichtlich überhaupt nicht bekannt. Dies führt dazu,
dass eine gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten durchgeführte
Kosten-Nutzen-Betrachtung zu wenige Vorteile eine Mitgliedschaft bilanziert
und so die Entscheidung gegen eine Innungsmitgliedschaft ausfällt.
Problematisch in diesem Zusammenhang ist insbesondere die Tatsache, dass der
Nutzen oft nur fallweise am eigenen Leib erfahren wird, weil beispielsweise
ein Beratungs- oder Unterstützungsbedarf in der Regel nicht regelmäßig
auftritt. Damit wird die Leistung – ähnlich einer Versicherung – nur
sporadisch bewusst wahrgenommen, während der Beitrag in regelmäßigen
Abständen fällig wird und bei einer Analyse des Jahresabschlusses
unmittelbar ins Auge fällt.
Der Kommunikation des Leistungsangebots
kommt also eine besondere Bedeutung zu. Marketingaktionen sollten sich
jedoch nicht nur darauf konzentrieren, da auch das Image einer
Organisation entscheidend zur Mitgliederbindung beitragen kann. Die
Untersuchung hat gezeigt, dass zwischen den geldwerten Vorteilen, die eine
Innungsmitgliedschaft bietet, und dem Image ein positiver Zusammenhang
besteht. Gegenstand einer entsprechenden Kommunikationsstrategie könnte also
sein, das Leistungsangebot vorzustellen und finanziell zu bewerten. Wichtig
ist in jedem Fall, die Meinung vieler Handwerker zu entkräften, die Innung
sei um ihrer selbst willen da und betreibe überwiegend „Selbstverwaltung“.
Ein letztes wichtiges Ergebnis der
Untersuchung sind die deutlichen Unterschiede in den Einstellungen,
Beurteilungen und Erwartungshaltungen der Betriebe. Diese machen eine
Zielgruppenorientierung zwingend notwendig. Neben dem Leistungsangebot
muss auch die Ansprache zielgruppenspezifisch erfolgen. Dies gilt
insbesondere für die Gruppe der jungen Handwerker, die für die Zukunft der
Innung von besonderer Bedeutung ist. Aus- und Weiterbildungsangebote sowie
die Weitergabe von Erfahrungen alleine reichen offensichtlich nicht aus, die
junge Generation für eine Mitgliedschaft zu begeistern. Für das Beschreiten
neuer Wege könnte es hier hilfreich sein, beispielsweise einen
Vorstandsposten zwingend mit einem jungen Mitglied zu besetzen. Eine zweite
wichtige Zielgruppe könnten die Kleinbetriebe sein. Diese sind derzeit
überproportional selten in einer Innung organisiert und stellen gleichzeitig
die Majorität der Betriebe. Hier ruht also ein besonders großes
Mitgliederpotential, das geweckt werden sollte. Die Ermittlung des
spezifischen Unterstützungsbedarfs sowie angepasste Beitragsstrukturen wären
hier denkbare Maßnahmen.
Zusammenfassend lässt
sich festhalten, dass Innungen ihre strategische Aus-richtung regelmäßig
überprüfen und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen sollten, die ihre
Leistungsfähigkeit erhöhen und ihren Fortbestand langfristig sichern.
Mögliche Ansatzpunkte wurden in dem vorliegenden Untersuchungsbericht
aufgezeigt.
Der vollständige Untersuchungsbericht steht auf der Homepage des Instituts
zum kostenlosen Download zur Verfügung. Der Link hierzu lautet:
http://www.lfi-muenchen.de/publikationen/Erfolgsfaktoren von
Innungen.pdf
Ludwig-Fröhler-Institut
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